Häufige Fragen
Dies ist eine Sammlung von Fragen (und meinen Antworten), die mir begegnet sind und immer wieder gefragt wurden. Die Antworten sind meine persönlichen Meinungen und Überzeugungen und basieren auf dem Wissen, das ich mir angeeignet habe und aus den Erfahrungen, die ich gemacht habe.
Was mache ich, wenn ich bezüglich des Standorts nicht sehr flexibel bin?
Und, was wenn ich keine großen Reisezeiten in Kauf nehmen möchte?
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb man bzgl. des Standortes nicht flexibel ist. Am häufigsten hat es mit der Familie und dem sozialen Netz zu tun. Oftmals hat es auch einen negativen Touch, wenn man nicht „flexibel“ ist. Auf der anderen Seite kann es auch eine Beständigkeit, Verlässlichkeit und Loyalität widerspiegeln. Es kommt immer auf die Perspektive an.
Auf jeden Fall sollte man nicht den Eindruck erwecken, dass man sich nie rausgetraut hat die Welt zu entdecken und verschiedene Kulturen kennenzulernen.
Aber mal ganz konkret, was bedeutet es für die Jobsuche, wenn man nicht umziehen möchte? Naja, ganz einfach…man sucht sich einen Job in der Nähe. Und da muss man eben schauen welche Firmen und Jobs es in der näheren Umgebung gibt und sich daraus etwas aussuchen. In jedem Fall lohnt es sich meiner Ansicht nach in der Nähe der Firma zu wohnen für die man arbeitet. Letztlich sitzt dort häufig auch die Geschäftsführung und wichtige Meetings werden dort abgehalten, wenn man sich vernetzen und gesehen werden möchte, dann sollte man sich zumindest hin und wieder in der Firma blicken lassen.
Die Frage nach der Reisezeit ist da schon etwas komplexer. Es gibt Jobs, die eine sehr geringe Reisetätigkeit voraussetzen. Beispielsweise wenn man als Naturwissenschaftler im Labor arbeitet, dann wird die Reisezeit eher gering ausfallen. Auch Positionen im Marketing oder anders gesagt, sogenannte „Bürojobs“ werden eher entspannt sein was die Reisetätigkeit angeht. Nun ist Deutschland, aber ein Land mit vielen Jobs in Sales, Support und Marketing, denn Forschung & Entwicklung, sowie Produktion sind teuer und daher verlagern sich solche Funktionen tendenziell ins Ausland. Marketing hatte ich ja bereits kurz angesprochen, im Sales und Support kann es sehr große Unterschiede geben. Es gibt Positionen, die am Sitz der Firma verortet sind wie beispielsweise Technischer Support, Training Funktionen, Inside Sales, aber es gibt auch Positionen, die im Außendienst stattfinden. Dazu zählen Applikationsspezialisten und der klassische Sales (Außendienst). Hier kommt es sehr stark auf die Firma und die konkrete Position an. Eine Firma, die sehr stark im Markt vertreten ist und viele Kunden auf engem Raum hat, hat in der Regel auch kleinere Gebiete, die betreut werden müssen. Das kann dann eine oder zwei bis drei Städte bedeuten. Wenn die Firma jedoch neu auf dem deutschen Markt ist, oder sich die Kunden über große Distanzen verteilen, dann werden die zu betreuende Gebiete auch groß sein. Das kann dann auch gerne mal Halb- oder Ganz-Deutschland sein. Bei Positionen mit einem speziellen Fokus auf ein sehr begrenztes Portfolio wird das ebenfalls häufiger so sein. Wenn man ein breites Portfolio abdeckt, dann wird auch wieder der Kundenkreis eher auf engem Raum sein. Um das mal zu konkretisieren, ein Account Manager bei Thermo Fisher, Miltenyi Biotec, BioRad, VWR etc. wird eher ein eng umgrenztes Gebiet betreuen. Ein Verkaufsspezialist für Durchflusszytometer, Sequencing Geräte oder Mikroskope wird eher ein großes Gebiet betreuen müssen. Das gilt im Übrigen nicht nur für Sales Positionen, sondern auch für die Applikationsspezialisten. Wenn man Applikationsspezialist für eine tolle Technologie ist, die nur eine Handvoll von Kunden deutschlandweit nutzen, dann wird man sehr wahrscheinlich auch deutschlandweit unterwegs sein müssen. Es macht sonst wirtschaftlich keinen Sinn mehrere Mitarbeiter für so wenige Kunden zu beschäftigen.
Daher meine Empfehlung, wenn man wenig Reisezeit in Kauf nehmen möchte, entweder ein Job, der standortgebunden ist (in der R&D, Marketing), oder in einer Firma, die eine gute und breite Kundenbasis besitzt in einer Funktion, die breit aufgestellt ist (Account Manager). Bei Jobs im Produkt Management muss man schauen wie diese Funktion in der Firma gelebt wird und welche Erwartungen gestellt werden. In manchen Firmen erwartet man, dass die Produkt Manager auch viel unterwegs sind und Kunden treffen, entweder als direkte Kundenbesuche oder aber Konferenzen, die auch im Ausland stattfinden können. Das kann, muss aber nicht so sein.
Welche Möglichkeiten habe ich als BiologIn?
So viele, dass es schwierig ist eine vollständige Liste zu erstellen. Die offensichtlichen Positionen können wir schnell abhandeln wie zum Beispiel technischer Support, ApplikationspezialistIn, Sales, MitarbeiterIn in der Forschung und Entwicklung, Produktmanagement und Marketing.
Es gibt auch die Möglichkeit im Recruiting einzusteigen, da man den wissenschaftlichen Background mitbringt, kann man BewerberInnen besser verstehen und für die Hiring-Manager vorqualifizieren. Es gibt auch die Möglichkeit im Patentrecht einzusteigen, Organisation und Koordination von Forschungsprojekten (Wissenschaftsmanagement), man kann bei einem Journal als Editor arbeiten, oder generell als WissenschaftsjournalistIn, man kann auch in die Beratung (Consultant) gehen, als PharmareferentIn im Pharma Außendienst arbeiten, umgekehrt statt in den Sales in den Einkauf bei einer Firma oder Uniklinik gehen, in der Qualitätskontrolle und dem Qualitätsmanagement arbeiten, oder euch sogar selbständig machen. Auch die Fortbildung in klinischen Studien zum Clinical Research Associate ist möglich, oder gerade heute habe ich mit einem ehemaligen Kollegen gesprochen, der in die Design Thinking Richtung gegangen ist. Es ist schwierig eine vollständige Liste zu erstellen, wichtig ist aber, dass ihr euch mit euren Talenten und Stärken auseinandersetzen solltet, und euch überlegt was euch in eurer Arbeit wichtig ist. Geht außerdem davon aus, dass der erste Job nicht der letzte sein wird. Ein Werdegang entwickelt sich mit der Zeit. Man muss auch bereit dafür sein, Dinge auszuprobieren, auf diese Weise verschärft sich dann der Blick dafür, was einem Spaß macht und was nicht.
Welche Gehaltsvorstellung sollte man als Einsteiger angeben?
Welche Gehaltsvorstellungen kann man als Master-Absolventin angeben, welche Gehaltsvorstellung mit Phd?
Das hängt stark davon ab auf was für eine Position man sich bewirbt. Man kann aber festhalten, dass in der Regel das Einstiegsgehalt zwischen Master und PhD Absolventen nicht so unterschiedlich ist. Dennoch haben PhD Absolventen in der Regel eine höhere Chance genommen und auch noch weiter befördert zu werden. Wenn man als WissenschaftlerIn einsteigt, dann wird das Gehalt wahrscheinlich im Bereich zwischen 40-50.000 Euro liegen. Ähnliches gilt auch für Positionen im technischen Support. Als Junior Product Manager oder Marketingspezialist wird das Gehalt eher im Bereich von 50.000 Euro liegen. Im Sales liegt das Gehalt dann eher bei > 63.000 Euro, wobei man aber auch hier sagen muss, dass ein Anteil von ca. 20% den Bonus darstellt (kann aber auch bis zu 50% hochgehen).
Mit einer zu hohen Gehaltsvorstellung kann man sich eher ins Aus schießen, wenn man etwas zu niedrig liegt, dann ist das weniger schlimm und das bedeutet auch nicht automatisch, dass man deshalb weniger Gehalt bekommt. Man hat immer nochmal die Chance zu verhandeln, wenn man gute Argumente vorbringen kann. Und ich spreche nicht davon, dass man vlt. eine teure Wohnung zu finanzieren hat, oder weil man gerne etwas trinken geht, oder teure Hobbies hat. Wenn man verhandelt, dann muss es etwas mit den Kompetenzen zu tun haben, oder dem Marktumfeld. Wenn man zeitgleich ein anderes Angebot einer anderen Firma vorliegen habt, dann kann man das auch nutzen. Allerdings würde ich davon absehen zu pokern und ein anderes Angebot zu erfinden.
Wie macht man sich attraktiv für Unternehmen als Einsteiger, wenn die Note einen nicht vom Rest abhebt?
Hier würde ich als erstes auf die Zusatzleistungen während des Studium hinweisen. Vielleicht könnt ihr extra Kurse belegen, die nicht jede/r macht, oder ihr engagiert euch in einer Studentenorganisation wie die btS e.V., AIESEC, oder die GBM. Vielleicht habt ihr spannende Hobbies, Nebenjobs oder Praktikas gemacht, die eine Relevanz für die Position haben auf, die ihr euch bewerbt. Die Note ist in der Regel auch nicht wirklich ausschlaggebend, sie kann zwar dazu genutzt werden, um BewerberInnen auszusieben, wenn man viel zu viele Bewerbungen auf eine Position bekommt, aber häufig zählen Social Skills so viel, dass man dafür auch schlechtere Noten in Kauf nimmt. Es gibt Statistiken, die zeigen, dass die meisten Mitarbeiter wegen fehlender Social Skills entlassen werden und nicht wegen fehlenden Hard Skills.
Weiterhin gibt es auch noch die Möglichkeit sich empfehlen zu lassen, wenn man Leute kennt, die in dem Unternehmen arbeiten.
Können bestimmte Arbeitserfahrungen im Lebenslauf auch negativ wirken?
Wenn man bspw. in der Waffenindustrie oder als WalfängerIn gearbeitet hat, dann wird das sicherlich negativ sein. Ansonsten würde ich sagen, dass man fast aus jeder Berufserfahrung etwas Positives herausziehen kann, sei es als VerkäuferIn im Einzelhandel, an der Supermarktkasse, in der Gastronomie, als Reinigungskraft etc. Es ist wichtig das „Leben“ kennengelernt zu haben und auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Unerfahrenen BewerberInnen merkt man schnell die „Unreife“ an, weil sie vlt. zu wenige schwierige Situationen im Leben meistern mussten.
Wie sieht es mit studentischen Praktika aus? Wie wichtig sind sie und wie komme ich an einen Praktikumsplatz?
Studentische Praktika sind in Lebensläufen auf jeden Fall gerne gesehen. Wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man mehrmonatige Praktika absolvieren, um seinen eigenen Horizont zu erweitern und wichtige Erfahrungen zu sammeln, die im Arbeitsleben von Vorteil sein werden.
Es gibt Praktikumsstellen, die ausgeschrieben werden, und bei solchen hat man oft den Vorteil, dass es dafür etablierte Prozesse gibt. Sprich, es gibt dedizierte Ansprechpartner, ein Einarbeitungsprogramm und die zu übertragenden Aufgaben sind auch schon mehr oder weniger klar. Der Nachteil ist dann, dass es eventuell weniger persönlich/individuell auf einen selbst zugeschnitten sein könnte.
Grundsätzlich würde ich empfehlen im Bekanntenkreis zu schauen, ob man jemanden kennt, die/der in einer Firma arbeitet und vermitteln könnte. Oder aber einfach Firmen/Institute über die Personalabteilung oder auch Fachbereich-spezifisch kontaktieren.
Während meines Studiums wollte ich gerne neue Erfahrungen sammeln, und zwar außeruniversitär. Ich wollte einfach etwas anderes Kennenlernen und da ich mich für das Thema Neurobiologie bzw. die Funktionsweise unseres Gehirns interessiere, habe ich mich auf die Suche gemacht. Ich war dann sehr positiv angetan, als ich sah, dass es in der Nähe das Max-Planck-Institut für Hirnforschung gab. Auf der Webseite sah ich, dass es drei Abteilungen gab, die Neurophysiologie, die Neuroanatomie und die Neurochemie. Die Neurochemie lag mir thematisch näher und ich habe ein Anschreiben verfasst und dabei auch auf meinen Bioinformatik Hintergrund hingewiesen. Meine Anfrage wurde dann während eines Journal Clubs vorgestellt und einer der Arbeitsgruppenleiter fand es interessant genug, um mich zu kontaktieren. Nach einem guten Gespräch über potenzielle Inhalte waren wir uns einig und ich konnte das Praktikum beginnen. Das Praktikum habe ich für 6 Monate angesetzt, so dass für beide Seiten Vorteile entstehen. Letztlich habe ich dann in derselben Abteilung auch meine Diplom- und Doktorarbeit gemacht. Das hatte ich nicht so von Anfang an geplant, aber es hat sich so ergeben.
Was ist deine Meinung zum PhD?
Wie wichtig ist er in der Industrie?
Habe ich bessere Chancen mit PhD?
Umgekehrt könnte man sagen, mit einem PhD hat man in der Regel keine schlechteren Chancen. Es lässt sich darüber streiten, ob er unbedingt notwendig ist und das hängt maßgeblich von der angestrebten Position ab. Allerdings, schaden wird ein PhD normalerweise nicht.
Manche Menschen wissen bereits früh, dass sie nicht in der Wissenschaft bleiben wollen und streben beispielsweise eine Position im Marketing an. Dann ist ein PhD keine Voraussetzung. Auch im Sales ist ein PhD in aller Regel keine Voraussetzung. Hilft der PhD die Kunden besser zu verstehen? Auf jeden Fall!!
Sowohl im Marketing als auch im Sales…also dort wo man Wissenschaftler als Kunden zu betreuen hat, sollte man sich auch in deren Situation hineinversetzen können. Wenn man einen PhD hat, dann kann man das etwas besser. Daher ist meine persönliche Ansicht, dass man den PhD lieber machen sollte, als dass man es im Nachhinein bereut. Nur wenn man es sich überhaupt nicht vorstellen kann und die drei bis vier zusätzlichen Jahre einem wirklich Bauchschmerzen bereiten, dann ist es sicherlich besser den PhD nicht zu erzwingen und sich auf andere Kompetenzen zu konzentrieren und dafür lieber noch ein Praktikum oder eine Fortbildung in BWL (Marketing, Finanzen, Kommunikation), Patentrecht oder anderen Themen wie bspw. Clinical Research Associate oder Richtung Design zu machen.
Ich habe einige Leute kennengelernt, die noch vor Abschluss ihres PhD einen Job angefangen haben und es dann leider nicht mehr geschafft haben den PhD zu Ende zu bringen. Das ist für den Job vielleicht nicht so schlimm, aber man hat es immer noch im Hinterkopf und es ist eine unerledigte Sache. Daher mein Rat, erst den PhD zum Ende bringen, und dann etwas Neues anfangen. Eine andere spannende Geschichte kam von einer Mitarbeiterin, die ich eingestellt hatte. Sie wollte eigentlich nach dem Master aufhören und in die Industrie wechseln. Ihr war damals schon bewusst, dass sie nicht in der Wissenschaft bleiben möchte. Während der Jobsuche ist ihr dann aber aufgefallen, dass ihr gewisse Kompetenzen fehlten. Sie hat festgestellt, dass Durchflusszytometrie sehr gefragt ist und hat dann in ihrer Promotion viel mit Durchflusszytometrie gearbeitet, um diese Kompetenz zu erwerben. Sehr kurze Zeit nach ihrem Abschluss hatte sie dann auch schon den Job in meinem Team in der Tasche.
Meine persönliche Meinung, macht den PhD, um die Erfahrung im Labor zu haben, Selbstorganisation zu lernen, zu lernen was es heißt Manuskripte zu schreiben, Poster vorzustellen, Gelder zu beantragen und auch Frust- und Stresstoleranz. Diese Erfahrungen können im weiteren Leben sehr von Vorteil sein, in jedem Fall wird man dadurch reifer .
Welche Positionen gibt es für die eine Promotion unbedingt erforderlich ist?
Meistens fragen die Leute eher, ob eine Promotion/PhD unbedingt erforderlich ist, und ich bin der Ansicht, dass es besser ist den PhD zu haben als nicht. Aber die Frage welche Positionen es gibt bei denen der PhD unbedingt notwendig ist, ist gar nicht so einfach. Pauschal gesagt, in Positionen bei denen eine sehr hohe technische Expertise gefragt ist. Das kann beispielsweise in der R&D der Fall sein, aber auch bei Applikationsspezialisten. Dort sind PhDs in bestimmten Fachbereichen sehr von Vorteil oder sogar Voraussetzung. Tatsächlich gibt es aber eher wenige Positionen, bei denen man so strenge Anforderungen an die Bewerber stellt.
Geht es immer nur um Kontakte?
Kontakte können definitiv helfen, um aus der Masse hervorzustechen. Aber alleine Kontakte reichen nicht aus um im Bewerbungsverfahren erfolgreich zu sein. Es geht auch um Persönlichkeit, Kompetenzen und Erfahrungen. Erfahrungen sind sehr wichtig, denn der beste Indikator für eine zukünftige Performance ist die vergangene Performance. Daher fragt man auch gerne in Interviews nach Situationen, die man erlebt hatte. Beispielsweise, „hatten Sie mal eine sehr stressige Phase in ihrer Promotion und wie sind sie damit umgegangen?“. Alternativ könnte man auch eine hypothetische Frage stellen wie zum Beispiel „stellen Sie sich vor Sie stehen kurz vor einer Deadline und sie haben noch viel zu tun.“. Die zweite Frage ist hypothetischer Natur und hier kann man sich leichter selbst und anderen etwas vormachen. Aber wenn man von Situationen erzählt, die man selbst erlebt hat, dann ist das authentischer.
Sind Zusatzleistung im Studium hinsichtlich BWL, Rechnungswesen, etc. hilfreich für einen einfacheren Berufseinstieg?
In manchen Berufsbildern wird es definitiv einen Vorteil darstellen, in anderen ist es nicht wirklich relevant (R&D, Technischer Support), aber es wird definitiv nicht nachteilig sein. Je mehr Wissen und Erfahrung ihr habt, desto besser ist das, weil ihr euch damit von der Masse einfacher abheben könnt.
Es gibt sehr viele Jobs, die interdisziplinär arbeiten, beispielsweise im Marketing, Produktmanagement, aber auch Sales sind Berufsbilder bei denen eine wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildung sehr hilfreich sein kann.
Um auch mal wieder aus meiner persönlichen Perspektive zu erzählen, ich habe mich mit wirtschaftswissenschaftlichen Themen im Studium nicht auseinandergesetzt. Das kam dann erst später im Job, angefangen durch berufliche Notwendigkeit, aber ich habe mich dann auch weitergebildet mit Hilfe von Literatur (s. Buch Empfehlungen) wie beispielsweise „Good to Great“. Nachdem ich weitere Bücher gelesen habe, habe ich mich dazu entschlossen einen MBA Basics Kurs im Fernstudium zu belegen, um hier dann auch ein Zertifikat in den Händen halten zu können. Das ist in Deutschland sehr hilfreich/wichtig. Leider bin ich mit dem Programm nicht so gut vorangekommen wie ich es gerne gehabt hätte. Da kamen die Arbeit und später Kinder „dazwischen“, so dass ich kaum Zeit habe, um den Kurs zum Ende zu bringen. Da würde ich mir wünschen, dass ich das bereits früher während des Studiums gemacht hätte…oder nach der Promotion, wenn mal der Druck etwas raus ist.
Ich würde mich freuen den Bezug zum Labor nicht zu verlieren, gleichzeitig ist mir Kommunikation und Menschenkontakt wichtig.
In so einem Fall würde ich tatsächlich die Berufsbilder der Applikationsspezialisten und des Sales in die engere Auswahl nehmen. Man ist automatisch mit den Forschungsthemen der Kunden in Kontakt, und das ist auch super interessant. Das Gute ist aber, dass man nicht mehr selbst im Labor steht und die Experimente durchführt, außer vlt. zu Demozwecken. Und weiterhin pflegt man viele menschliche Kontakte. Wenn jemand kommunikativ sehr stark ist, dann ist das auch für solche Berufsbilder sehr von Vorteil.
Viele AbsolventInnen schließen Sales direkt von Anfang an aus, weil man gewisse negative Assoziationen hat. Hier kann ich nur sagen, „das ging mir auch so“. Ich wollte nicht in Sales, aber ich hatte keine anderen Job-Angebote. Allerdings habe ich Sales dann ganz anders kennengelernt, als ich gedacht hatte. Und nun bin ich bereits seit 2013 in diesem Berufsbild und mir ist nicht langweilig geworden.
Welche Möglichkeiten gibt es, einen möglichst Abwechslungsreichen Job zu bekommen? Welche Berufe sind eher einseitig?
Es mag unterschiedlich sein was jemand als einseitig bezeichnet und was als abwechslungsreich. Es gibt keine Definition oder Messparameter dafür. Als generellen Tipp würde ich sagen, wenn ihr direkt mit Kunden zu tun habt, dann ist das automatisch ziemlich abwechslungsreich, einfach weil die Leute unterschiedlich sind. Jedes Labor ist anders, jedes Problem, Forschungsthemen /-schwerpunkte, finanzielle Ausstattung, und wie gesagt, die Leute im Labor. Als recht einseitig würde ich den Bereich der Qualitätskontrolle und des Qualitätsmanagements anführen, oder aber auch Routineaufgaben in einem Diagnostiklabor zum Beispiel. In kleineren Firmen ist es häufig so, dass einzelne Personen unterschiedliche Hüte aufhaben und die Aufgaben daher sehr abwechslungsreich sind. Je größer ein Unternehmen, desto stärker ist auch die Silo-Bildung und das bedeutet, dass man Spezialist für einen bestimmten Aufgabenbereich ist. Und das bedeutet auch weniger Abwechslung. Daher habe ich eingangs den Kundenkontakt erwähnt. Selbst wenn die Aufgaben oder das inhaltliche sich nicht sehr stark verändert, so hilft es, wenn man mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt, wenn einem eine abwechslungsreiche Tätigkeit wichtig ist.
Wie ist die Home-Office/Präsenz Balance?
Das wird sehr unterschiedlich ausgelebt und hängt stark vom Arbeitgeber und der Rolle ab. Wichtig ist aber zu erwähnen, dass ihr euch genau anschauen solltet was in der Stellenbeschreibung steht. Wenn dort ein „Bürojob“ erwähnt ist, dann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet, dass ihr euch den größten Teil der Zeit im Büro blicken lasst. Gerade auch bei Berufseinsteigern /-anfängern wird häufig erwartet, dass man sich im Büro sieht, einfach um eine menschliche Beziehung und Vertrauen aufbauen zu können. Man muss auch ganz eindeutig sagen, dass es Vorteile hat im Büro zu sein, und zwar ermöglicht es einen informellen Austausch beim Kaffee oder auf dem Flur, der sonst nicht stattfindet. Man hat in der Regel mehr menschliche Kontakte, was auch belebend wirken kann. In der Corona Pandemie während des Lockdowns hat man gemerkt wie wichtig soziale Kontakte für uns sind, und uns der Input von Gestik, Mimik etc. fehlt. Außerdem verbraucht man dann weniger Strom und Wasser zu Hause, und man kann bei den Heizkosten sparen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch super, wenn man im Home-Office zwischendurch Dinge erledigen kann, die man sonst alle geballt am Abend nach der Arbeit machen muss. In meinem früheren Job war ich komplett nur im Büro gewesen und bis auf den Fahrtweg mochte ich das eigentlich auch sehr gern. Daraus sind tragfähige Beziehungen zu meinen KollegInnen entstanden, aber auch Ideen wurden zwischendurch entwickelt und es war ein bisschen so wie in der Uni oder der Schule. Man trifft viele Leute, mit einigen ist man befreundet, mit anderen weniger, aber man ist in einem sozialen Gefüge eingebettet. Als ich dann den neuen Job angefangen habe und dann komplett ins Home-Office bzw. in den Außendienst gewechselt bin, habe ich mich sehr darüber gefreut. Dann kann man einfach Erledigungen oder Hausarbeiten zwischendurch erledigen, man kann Mittags auch einfach mal für eine Stunde eine Netflix-Serie anschauen u.ä. Mit dem Lockdown ist mir dann aber irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen, und auch heute noch merke ich wie es mir gut tut rauszugehen und Menschen zu treffen, sei es mein Team, Kollegen oder Kunden.
Warum schreibe ich das alles? Viele wünschen sich Home-Office und erwarten es vom Arbeitgeber. Zeigt der Arbeitgeber sich aber dahingehend unwillig oder unflexibel, so ist man sauer auf den Arbeitgeber, schließlich ist es modern und man will die maximale Freiheit. Und ich bin aber der Meinung, dass reines Home-Office auch nicht das Non-plus Ultra ist, und dass einiges verlorengeht. Büro hat auch wirklich positive Aspekte und ich kann auch Arbeitgeber verstehen, die ihre Mitarbeiter wieder ins Büro zurückrufen. Die Mischung macht’s.
Wie sehen die Chancen für Leute aus, die nach längerer Zeit den Wiedereinstieg suchen?
Das hängt von mehreren Faktoren ab und ist schwierig pauschal zu beantworten. Wie lange ist die „Pause“? So lange, dass man die Kompetenzen wieder verlernt hat? Dann wird es sehr schwierig. Sprechen wir von einem Sabbatical direkt nach dem Abschluss, das ein Jahr gedauert hat? Das ist eine verhältnismäßig lange Zeit und wenn man sich für eine Position interessiert bei der Fachwissen und Laborroutine wichtig sind, dann wird man da schlechte Karten haben gegenüber BewerberInnen, die direkt weitermachen. Dann sollte man eher nach Stellen suchen bei denen ein wissenschaftliches Grundverständnis benötigt wird wie bspw. dem Marketing.
Wie gehe ich als Berufseinsteiger mit mehreren interessanten Stellen um auf die ich mich gerne bewerben würde? Vor allem ohne bei dem Unternehmen einen schlechten Eindruck zu hinterlassen?
Es spricht grundsätzlich nichts dagegen sich auf mehrere Stellen zu bewerben, sofern diese relativ ähnlich sind. Wenn sich jemand auf R&D und Sales Positionen bewirbt, dann ist das nicht konsequent. Bei der R&D Bewerbung müsste man dann ja schreiben, dass man gerne im Labor weiterarbeiten möchte, weil einem das so viel Spaß macht, und parallel in der Bewerbung für den Sales Job müsste man schreiben, dass man nicht mehr selbst die Forschung machen, sondern lieber die WissenschaftlerInnen beraten möchte. Diese beiden Bewerbungen sprechen keine einheitliche Sprache. Anders könnte es aussehen, wenn man sich auf eine Technische Support Position und eine Applikationsspezialisten Position bewirbt. Dann kann man nämlich argumentieren, dass man die eigene technische Expertise dazu nutzen möchte Kunden weiterzuhelfen und Kundenkontakt mag. Das passt auf beide Stellen, der Unterschied wäre dann nur, dass die eine Position im Büro wäre und der andere im Außendienst. Das kann man ganz gut miteinander verargumentieren.
Von daher, ja – man kann sich auf mehrere Stellen bewerben, aber die Motivation im Bewerbungsschreiben muss dann sehr ähnlich sein.
Dr. Ceyhun Tamer
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